XCOM 2 – mal wieder eine große Hass-Liebe

Posted by  PeBa   in  ,      1 week ago     123 Views     Leave your thoughts  

XCOM die Neuauflage von Firaxis war ja schon so eine zweifelhafte Hass-Liebe. Einerseits war es ein tolles süchtigmachendes Spiel, andereseits hatte es viele Ecken und Kanten und war scheiße unfair. Und auch wenn mit XCOM 2 vieles besser geworden ist, faires Balancing der Einheiten und des Spielablaufs sind immer noch weit, weit weg.

Aber schauen wir uns XCOM 2 mal genauer an:

Erst einmal wird das Ende vom ersten XCOM komplett über Board geworfen. Wer in Teil 1 noch heldenhaft einen seiner Soldaten für den finalen Schlag opferte, der wird nun mit einer Welt konfrontiert, in der alles anders gelaufen ist. Advent und die Aliens haben die Welt damals vor 20 Jahren überrannt und ein alles umfassendes Regime aufgebaut. Nur wenige Widerstandsnester sind geblieben und Central unser treuer Berater leitet die mächtigste Gruppe, die Überreste von XCOM. In der Tutorialmission werden wir von Central und einigen Soldaten aus den Klauen der Aliens befreit und nachdem man uns verschiedene Implantate der Aliens aus den Körper operiert hat, sind wir wieder als Commander tätig und leiten den Rest von dem was einst XCOM war.

Wir haben keine feste Basis mehr, sondern die Basis ist nun ein Alienufo das gekapert wurde. Somit sind wir sehr mobil und springen von Einsatz zu Einsatz. Wie gewohnt haben wir wieder limitierte Truppen, können diese individuell gestalten und diese dann in den Kampf schicken. Was sich geändert hat, meist sind wir im Guerilla Modus aktiv, heißt wir starten erst einmal im Verborgenen und können uns bis der Gegner auf uns reagieren kann etwas freier bewegen.

Okay dann mal zu den Punkten, die das Spiel richtig macht, denn gerade davon lebt dieses Spiel:

Wie schon bei Teil 1 sehr gut gemacht, wird die Geschichte vorangetrieben und toll erzählt. Mir gefällt das, wie die Story zwischen den Einsätzen und auch durch die Einsätze selber immer weiter vorangetrieben wird. Das wirkt viel dynamischer und ansprechender, als bei vielen anderen Strategiespielen. Vor allem schafft es das Spiel die Charaktere teils besser in Szene zu setzen, als manch ein RPG es vermag. Sogar die eigentlich stillen und “gesichtslosen” Soldaten wachsen einem ans Herz und man will keinen von ihnen auf dem Schlachtfeld verlieren.

Warum funktioniert das hier so gut? Dadurch das ich die Soldaten so individuell gestalten kann, Aussehen, Frisur, Rüstungsfarbe, Waffenfarbe und nun noch detaillierter sogar einzelne Rüstungsteile und Tätowierungen, kann man diese zu eigenen Charakteren machen. Und wenn man dann sogar diese Gesichter auf Schautafeln in Städten als gesuchte Verbrecher gegen Advent sieht, weiß das schon zu gefallen. Dadurch bekommen diese eigentlich gesichtslosen Helden ein Gesicht und auch einen Charakter.

Optisch und technisch ist das Spiel gut umgesetzt. Es schaut sehr toll und stimmig aus und bis auf wenige Ausnahmen war die Performance durchweg stabil. Ich hatte lediglich 3 mal beim Neuladen mal einen Crash. Meiner Meinung läuft das Spiel auf meinem Rechner trotz besserer Grafik und aufwendigeren Levels stabiler als Teil 1. Auch das Missionsdesign macht Laune und erzählt die Geschichte und Nebengeschichten sehr gut weiter. Und auch über das Ignorieren des Endes vom Teil 1 kann man hinwegsehen.

Doch XCOM 2 macht auch vieles wieder falsch, was Teil 1 schon falsch machte. Denn es ist alles andere als fair und ohne jede Runde oder teils entscheidenden Zug zu speichern, verliert man schnell die Lust am Spiel. Es sei denn einem ist es egal, wenn einfach mal wegen nichts der ganze Trupp ins Gras beißt. Der Frustfaktor ist an einigen Stellen schon groß und man kann es durchaus auch als Try-and-Error Gameplay mit Speicherständen spielen. Das ist halt schade, da das nichts mit dem eigentlichen Genre zu tun hat. Denn taktisches Vorgehen wird oft durch unfaire Mechaniken der KI unterbunden. Und wenn dann noch ein Timer zur Eile aufruft, heißt es durchaus auch mal: “Augen zu und durch”.

Solange man im Stealth Modus ist, ist es ja noch okay, doch ist man einmal vom Feind entdeckt, wird es schon kritisch. Was ich bis heute nicht verstehe, ich sehe in der Ferne Gegner, die mich definitiv nicht sehen können. Warum sehen die mich dann trotzdem und bekommen einen Reaktionsmove in dem sie sich 10 Felder und mehr bewegen können? Das ist vor allem ärgerlich, wenn ich mit dem letzten Zug meiner Runde das Pech habe noch Feinde aufzudecken. Dadurch bekommt der Gegner grundlos 2 Züge, den Reaktionszug mit dem er sich gut positionieren kann und dann seinen eigenen. Damit kann es leicht passieren das der Gegner einige meiner Soldaten als hilflose Opfer geschenkt bekommt. Das macht keinen Sinn und nimmt dem Spieler auch den Spaß am Spiel.

Und dazu hat man immer wieder das Gefühl dass das Spiel cheatet. Ich habe 5 Soldaten mit Trefferchance 80%+ und kein einziger trifft, aber der Gegner, egal wie weit entfernt er ist landet einen kritischen Treffer nach dem anderen. Ob das wirklich so ist, weiß ich nicht, es fühlt sich aber teils so an.

Wenn dann noch die 3 Königsgegner ins Ziel kommen ist es dann ganz aus. Denn jeder Soldat hat 2 Aktionen pro Zug. Und diese Gegner bekommen einen Zug nach jedem Zug von einem der eigenen Soldaten. So kann ein Königsgegner in einer Runde schon mal ganz easy den kompletten eigenen Trupp vernichten. Das ist Balancing vom feinsten, nämlich nicht vorhanden. Wenigsten bleiben bei diesen Gegnern die Trefferpunkte die man ihnen abgezogen hat bis zur nächsten Begegnung erhalten, da hat man dann wenigstens halbwegs eine “faire” Chance sie zu bezwingen. Mit viel Probieren und Glück konnte ich bei diesen Begegnungen mit etlichen Versuchen mein Team halbwegs retten. Vor allem beim Schlangenkönig klappte es bei der zweiten Begegnung nur so gut, da der Soldat der als erste geschossen hat, eine 5%ig Instantkill Modifikation an seiner Waffe hatte und die sogar mal aktiv geworden ist. Das ist dann doch mal Befriedigend.

Hier heißt es halt, immer mal wieder kurz innehalten und Neuladen und es anders probieren.

Erstaunlich sind dann die beiden finalen Missionen, die sich im Vergleich zu den anderen Einsätzen dann fast leicht und fair spielen ließen. Vor allem die vorletzte Mission ist sowas von einfach, das ich es gar nicht glauben konnte als sie fertig war, dass das wirklich alles war. Auch beim finale Kampf hatte ich trotz Überzahl an Gegner das Gefühl, dass dieser Einsatz viel leichter war, als noch der Standardeinsatz zuvor.

Und trotz alledem hatte ich viele Stunden (30+) Spaß am Spiel und werde es bestimmt mal wieder anspielen, spätestens wenn ich mir die letzte Erweiterung noch holen werde. Und ja, ich freue mich auf Teil 3, der am Ende noch angekündigt wird.

Wer kein Problem damit hat immer mal wieder nachzuladen und einige Stellen mehrmals zu probieren, der wird auch seinen Spaß mit XCOM 2 haben. Ich hätte mir lediglich als Belohnung noch gewünscht, das ich nach dem Finale vielleicht noch die Möglichkeit bekommen hätte per Kampfeinsätzen, die noch nicht kontaktierten Regionen zu Befreien. Sozusagen als nettes Dessert nach dem Hauptgericht.

XCOM 2 ist ein tolles Spiel das vieles richtig macht, aber halt auch einiges falsch, somit muss man für sich selbst entscheiden, ob man sich das antun mag oder nicht.

About  

PeBa

Metal Musik der harten und schrägen Gangart, Filme der harten und schrägen Gangart und Computer Games der schrägen und harten Gangart... das sind die Sachen die mir gefallen. Vom Heavy Metal bis hin zum Death Grind Metal und Industrial, so meine musikalischen Vorlieben. Bei Filmen vom Fantasy oder SciFi-Spektakel bis hin zum Horrorfilm, aber auch Anime. Und bei Computergames darf es durchaus auch mal ein Shooter sein, bei dem das Blut spritzt. Und trotzdem bin ich der normale nette Mann von Nebenan und kein psychopatischer Serienmörder. Just have fun and enjoy your time!

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